Von Frauen und Männern zu sprechen ist zu ungenau. In der Paardynamik geht es darum, wer im herrschenden sozialen Kontext die Frauen- oder Männerrolle einnimmt. Die Forschung zeigt, dass beispielsweise die Paardynamik in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mit der in heterosexuellen vergleichbar ist.
Wenn wir in unserer Gesellschaft eine zukunftsfähige Veränderung in der Genderdynamik anstreben, dann geht es um die Emanzipation von typisch weiblichen und männlichen Rollen.
Ich habe versucht den Veränderungen im weiblichen Rollenverhalten (so wie ich es erlebe) einen emotionalen Impuls zu geben. Die Frauenportraits sollen durch 6 Entwicklungsschritte führen und Mut für mehr Selbstverständnis erzeugen.
Warum
Alle Menschen stellen sich irgendwann die Frage, ob sie in ihrem bisherigen Leben den eigenen, persönlichen Möglichkeiten (Potenzialen) gerecht wurden. Oft forderten unsere Verpflichtungen und verführten uns unsere Träume zu einem Handeln, das an wirklicher Erfüllung vorbeiführte.
Wir spüren, dass wir uns selbst nicht genügend gerecht geworden sind und fragen uns, warum wir derart an unseren Möglichkeiten vorbeileben konnten.

Elsa
Nach einer kurzen heftigen Leidenschaft wurde ich so selbstverständlich wie ein Möbelstück. Ein emotionsloses „Guten Morgen und „danke für das Essen“ war oft die einzige Kommunikation. Warum habe ich das 30 Jahre mitgemacht.

Naomi
Nach meiner Heirat musste ich gebären, den Haushalt führen, die Kinder erziehen und Allrounddienerin sein. Über 60 Jahre kein Wort der Anerkennung. Statt dessen das stetige Gefühl nicht zu genügen. Warum habe ich das erduldet.

Hilde
Am Anfang gab es viel Gemeinsames. Dann folgte er zunehmend seinen Interessen. Alles was ich machte wurde herunter gemacht. Das ging Jahre so. Warum habe ich mich diesem Überlegenheitswahn so lange untergeordnet?

Katja
In den 20 Jahren unserer Ehe wurde ich zunehmend sein Eigentum. Sein anfängliches hoffieren wechselte in Unzufriedenheit und schliesslich in Beschimpfungen die nach und nach mein Selbstbewusstsein zerstörten. Jetzt frage ich mich, warum ich nicht davongelaufen bin.

Myriam
Er wurde von einer masslosen Eifersucht getrieben, obwohl ich ihm keinen Anlass dazu gab steigerte er sich zunehmend in Rivalitätsfantasien hinein und fing an mich zu schlagen. Das habe ich viel zu lange erduldet

Elena
Warum wollen die Männer nur meinen Körper und nicht mich. Bisher fanden alle meinen Körper ‚supersexy‘ aber keiner hat von meinem Befinden Notiz genommen. Trotzdem sehne ich mich nach einem Mann. Ich weiss nicht wie lange ich das noch aushalte.
Nie wieder
Natürlich bejammern wir erstmal alles was uns anscheinend verwehrt blieb, wovon wir aber selbst dem meisten nicht die nötige Priorität gaben.
Durch ein verinnerlichtes Ideal von glücklichen und zufriedenen Kindern, Partnern, Freunden und Berufskollegen haben Frauen sich viel zu oft selbst zurückgestellt. Andere unterstützen ist sehr wertvoll, solange es nicht die eigene Entwicklung ausbremst.
Entweder erzeugt eine solche Erkenntnis Selbstmitleid und Resignation oder den Entschluss die eigenen Potenziale nie wieder hinter die Absichten und Forderungen anderer zurückzustellen.

Therese
Nie wieder werde ich mich einem anderen Ego unterordnen und geduldig warten bis sich Menschen vielleicht ändern.

Franziska
Nie wieder werde ich mich einem anderen Ego unterordnen und klein beigeben, wenn ich mir meiner Sache sicher bin.

Ruth
Nie wieder werde ich mich einem anderen Ego unterordnen und akzeptieren, wenn es heisst „Das kannst du sowieso nicht“.

Maja
Nie wieder werde ich mich einem anderen Ego unterordnen und mich demütigen lassen.

Priska
Nie wieder werde ich mich einem anderen Ego unterordnen und mich ohne Konsequenzen bedrohen lassen.

Laura
Nie wieder werde ich mich einem anderen Ego unterordnen, das von mir Besitz ergreifen will.
Skepsis
All das ist nicht so einfach wie es sich anhört. Es ist der Schritt in ein eigenverantwortliches Leben, in dem man die Werte in seinen sozialen Beziehungen neu gestaltet. Wir erkennen wie sich die Menschen gegenseitig manipulieren. In unserer durchkommerzialisierten Zivilisation ist jeder auf die eigenen Vorteile aus. Die Gefahr ausgenutzt und in eine ungewollte Rolle gedrängt zu werden ist gross.
Auf der Suche nach wirklicher Anerkennung und aufrichtigem Respekt ist viel Vorsicht geboten.

Claudia
Ich bin skeptisch, wenn man mir Karriere und Erfolge verspricht.

Daniela
Ich bin skeptisch ob meine Hilfsbereitschaft ausgenutzt wird.

Myrtha
Ich bin skeptisch ob Sympathie und Anerkennung nur vorgetäuscht werden um mich in etwas reinzuziehen.

Ursina
Ich bin skeptisch wenn jemand sein Leben mit mir teilen will.

Corinne
Ich bin skeptisch wenn die ‚Beschützerrolle‘ ins Spiel kommt.

Berta
Ich bin skeptisch wenn alles sehr schön und verheissungsvoll klingt.
Widerstand
‚Nein‘ zu sagen ist ein häufiger Schwachpunkt in der klassisch weiblichen Rolle. Wenn alles sehr sympathisch oder dramatisch falsch erscheint, lassen wir uns oft auf etwas ein das uns eigentlich nicht entspricht.
Sich soweit abzugrenzen, dass wir aus der verinnerlichten ‚Helferrolle‘ heraustreten können, ist ein weiterer schwieriger Schritt. Es geht nicht darum herzlos zu sein, sondern zu erkennen, wie sehr uns das Handeln einschränkend von unseren eigentlichen Potenzialen entfernen würde.

Brigitte
Ich leiste Widerstand, bei jeder Art von Respektlosigkeit

Akiko
Ich leiste Widerstand, wenn meine Autonomie eingeschränkt wird

Claire
Ich leiste Widerstand, wenn man mir meine Rechte streitig macht

Sylvia
Ich leiste Widerstand, wenn man mich unterdrücken will.

Maggi
Ich leiste Widerstand, wenn man meine Integrität verletzt.

Gina
Ich leiste Widerstand, wenn man mich für fremde Ziele vereinnahmen will.
Klarheit
Um nicht ständig in alte Ambivalenzen zurückzufallen benötigen wir grundlegende Klarheit. Es geht darum mit tiefer Überzeugung zu wissen, wer wir in Zukunft sein wollen. Für die meisten Menschen ist nur klar wer oder was sie nicht sein wollen. Oftmals übernehmen sie Rollen die sie für respektabel halten.
Wahrhaftige Klarheit erzeugt konsequentes Handeln und akzeptiert alle damit verbundenen Schwierigkeiten. Das würde uns die Gewissheit geben etwas vollbracht zu haben und das Gefühl von grosser Erfüllung.

Judith
Ich bin für mich verantwortlich und lasse mir diese Verantwortung durch nichts nehmen.

Gabriela
Ich definiere mich über meine Lebensziele.

Magrit
Ich werde meine Ziele durch nichts und niemanden verwässern lassen.

Jolanda
Ich werde um meine Integrität kämpfen um mir treu zu bleiben.

Karin
Offen und kompromissbereit ja, aber nicht auf Kosten meiner Selbstachtung.

Yvonne
Ich bin mein Weg.
Spiritualität
Die Fähigkeit zu tiefen Emotionen ist das Tor zur Spiritualität. Die weiblichen Aspekte in unserer Persönlichkeit ermöglichen den emotionalen Zugang zum spirituellen Raum. So können wir eine innere Balance schaffen, die uns sehr belastbar macht.
Die Spiritualität war ursprünglich fest mit jedem Individuum verbunden. In der bestehenden Zivilisationskultur haben wir uns vom spirituellen Bewusstsein weit entfernt.
Die Sehnsucht nach intakter seelischen Vollständigkeit ist gross – wieder dahin zurückzufinden wird zur gesellschaftlichen Notwendigkeit.

Helga
Um meine Ziele zu erreichen suche ich die Inspiration.

Nala
Ganz bei mir zu sein gibt mir Stärke, Sicherheit und Zuversicht.

Muriel
Die Impulse kommen von aussen, die Inspiration geschieht in mir.

Florence
Ich muss der Inspiration Raum geben, damit sie sich mit meinen Werten verbinde.

Petra
So wird mein Wirken authentisch und berührend.

Imany
Das ist mein Weg in ein selbstbestimmtes Leben.
Ausstellungskonzept I
36 Leinwände werden wie Fahnen so an der Decke befestigt, dass sie achteckige Räume bilden. Die Besucher fühlen sich von 6 überlebensgrossen Frauenportraits fixiert. So soll eine möglichst starke suggestive Wirkung entstehen. Als Gesamteindruck wirken die Leinwände wie eine Wolke in einem grossen hellen Raum.
Ausstellungskonzept II (alternativ)
Durch Stellwände entstehen 6 achteckige Cabinets. Die Leinwände werden ohne Spannrahmen an die Stellwände gehängt, was den Eindruck unterstützt, dass die Betrachter direkt aus der Wand heraus fixiert werden – also ein suggestiver Effekt entsteht. Der fortlaufende Text zu jedem Bild soll die Betrachter schrittweise zu mehr Selbstreflektion animieren.
Es gibt einige wesentliche Emanzipationsthemen. Ich habe den Prozess zur Selbstbestimmtheit gewählt. Er trifft auf beide Geschlechterrollen zu, hat aber auf die weibliche Rolle bezogen einen grösseren Nachholbedarf – vor allem in der Partnerschaftsdynamik.
Den Prozess zur Selbstbestimmtheit habe ich in 6 Phasen gegliedert und mit sehr kurzen Begleittexten an jeweils 6 Lebenssituationen nachvollziehbar gemacht.
Die Namen und die abgebildeten 36 Portraits stehen sinnbildlich für die Personen, deren authentische Statements zitiert werden.