Macht habe ich seit frühester Jugend zu spüren bekommen. Meistens war sie unangenehm, einschränkend und unterdrückend. Mit zunehmendem Alter wurde diese Anpassungsdressur immer subtiler. Viel später erkannte ich die Gefahr eines uneingeschränkten Egos, die Inbesitznahme von allem was einem gefiel und sei es mit Gewalt. Besitz schien mir bei uns Menschen von zentraler Bedeutung zu sein. In der Tierwelt beobachtete ich den Schutz und die Verteidigung des Nachwuchses sowie bei einigen Arten auch von Brutplätzen und Lebensraum. Aber alles nur wenn es gebraucht wird. Nie geht es wie bei uns um die abstrakte Anhäufung von Besitz als Symbol der Überlegenheit und der Ausübung von Macht bis hin zur Gewalt. Alles nur um der eigenen Existenz eine besondere Bedeutung zu geben.
Wir haben Tiere domestiziert um durch entsprechende Dressur ihre Lebensenergie auszubeuten. Wir haben Menschen dazu dressiert, dass sie andere Menschen töten – töten für die Ziele von anderen. Was ist aus den Jägern und Sammlern geworden, die sich nur das nahmen, was sie zum täglichen Leben brauchten?Wodurch haben wir unsere paradiesische Unschuld verloren? Und wie können wir die Exzesse dieser Fehlentwicklung eindämmen? Es scheint mir höchste Zeit, dass die Menschheit ihre Adoleszenz-Phase abschliesst und sich endlich als Weltgemeinschaft versteht, die in eine humane und egalitäre Entwicklung eintritt um ihren Lebensraum gemeinsam zu schützen.
Das Austellungskonzept
Unser Wissen über die altsteinzeitlichen Lebensformen der Menschen bleibt auch mit neuesten wissenschaftlichen Methoden nur bruchstückhaft.
Zumindest wissen wir, dass es vor ca. 2 Millionen Jahren dem Homo erectus bereits gelungen war vom Gejagten zum Jäger zu werden. Dieser Wandel war der Erfolg durch kooperatives Handeln in kleinen egalitären Gruppen, ein Erfolgsrezept, das seine friedliche Verbreitung sicherstellte.
Auch die Einwanderungen des Homo sapiens von Afrika ins heutige Europa verlief wahrscheinlich friedlich. Zumindest haben sich die Einwanderer mit den ansässigen Neandertalern vermischt und auch voneinander gelernt. Zudem schätzen die Wissenschaftler eine Verbreitungsgeschwindigkeit von ca. 10 km pro Generation. Was bei der geringen Population kaum zu Auseinandersetzungen führte. Zudem waren die Horden zu klein und beweglich. Genetische Untersuchungen haben ergeben, dass jeweils die jungen Frauen die Horde verliessen, um sich einer anderen Horde anzuschliessen, was automatisch zu einer sozialen Verbundenheit zwischen den Horden geführt haben dürfte.
In ihren Forschungen haben Douglas Fry und Patrik Söderberg (Abo-Akademi-Universität Vaasa) bei 21 gegenwärtigen Jäger und Sammler-Völkern festgestellt, dass tödliche Auseinandersetzungen grösstenteils auf persönlichen Streit zurückzuführen waren (Grundlage:‚standard cross-cultural sample) und nicht auf kriegerischen Handlungen.
Die frühesten archäologischen Nachweise für kriegerische Handlungen stammen aus den letzten 10‘000 Jahren und fallen damit in die Zeit der Sesshaftigkeit durch Ackerbau und Viehzucht. Das betrifft für unseren Kulturraum vor allem die fruchtbaren Gebiete zwischen Euphrat und Tigris, dem damaligen Mesopotamien.
Die Verdichtung zu grösseren Bevölkerungsgruppen und wachsender Wohlstand führten zu komplexeren Schutzmassnahmen und Verwaltungsstrukturen. Zwar wurden die sesshaften Bauern vor ständiger Gefahr von Bandenüberfällen geschützt, aber in Kriegen zwischen den Herrschenden gleichwohl existenziell betroffen.
Die Abhängigkeit der Bevölkerung von den Herrschenden führte zu Ausbeutungsstrukturen. In längeren Friedenszeiten konnte ein Überfluss entstehen, der eine kulturelle Entwicklung ermöglichte.
Die Urgeschichte betreffend sind wir weitgehend auf Interpretationen angewiesen was Zurückhaltung fordert. Die ältesten Funde von Steinwerkzeugen datieren auf etwa 2.6 Millionen Jahre. Der älteste Nachweis vom kontrollierten Umgang mit Feuer auf 790‘000 Jahre. Die älteste Bestattung auf 120‘000 bis 90‘000 Jahre.
Über Malereien, Gravuren und Skulpturen gibt es eine grosse Interpretationsvielfalt. Es scheint naheliegend, dass die Nahrungsquellen und die Leben-Tod Thematik eine grosse Rolle spielten.
Die Menschen vermuteten übernatürliche Kräfte und versuchten wahrscheinlich diese zu beeinflussen.
Die ältesten Hochkulturen von Mesopotamien und Ägypten überlieferten dann erste schriftliche Zeugnisse ihrer Götterkulte. (Sumerer: Göttin Nammu (das Urmeer) erschuf die Erdgöttin Uras und den Himmelsgott An). Die Autorität der Götterwelten war ihre Macht das Schicksal zu beeinflussen. Das war auch der Grund, warum sich Potentaten mit Gottheiten verbanden. Schon in den ältesten Hochkulturen stellten sich die Herrscher als Halbgötter dar, gezeugt von einem Gott mit einer irdischen Mutter.
Die römischen Kaiser waren Götter, womit ihnen eine unangefochtene Autorität zustand.
Ein nächster entscheidender Schritt war der Monotheismus.
Aus der biblischen Mose-Legende geht eindrücklich hervor welche Autorität er aus seiner ‚Mittlerrolle‘ zum einzig wahren Gott schöpfte.
Die gesamte monarchische Welt Europas war ‚von Gottes Gnaden‘, die sich zwischen 1789 (Französische Revolution) 1917 (Oktoberrevolution) und 1919 (Weimarer Republik) auflöste. Die noch bestehenden Monarchien sind parlamentarisch oder konstitutionell. Sie dienen einem Teil der heutigen Bevölkerung als Konsum einer naiv-romantischen Märchenwelt.
Mit der Auflösung der feudalherrschaftlichen Privilegien war auch das Ego-Gerangel der Königshäuser beendet. In diesem Machtvakuum entstand die Phase der Diktatoren, die noch grösseres Leid über die Menschen brachten.
Gegenwärtig wächst in einigen Staaten Europas und in den USA ein bedrohlicher demokratiefeindlicher Populismus und in Russland eine neue faschistoide Diktatur heran. Nach über 2 Millionen Jahren egalitärer Menschheitsgeschichte ist durch Besitz Macht entstanden, die das menschliche Ego zu brutaler Gewalt verführt. Diese aggressive Neigung scheint sich tief verankert zu haben.
In Mesopotamien, dem fruchtbaren Land zwischen Euphrat und Tigris, entstand das für den europäischen Kulturkreis bis in die Neuzeit reichende Machtverständnis.
Wegen seiner fruchtbaren Gebiete wurde dieses Gebiet früh und intensiv besiedelt. Die entstehenden Stadtstaaten (Ur,Uruk, Lagasch, Nippur, Babylon, Ninive, Assur, etc,) erweiterten und verteidigten ihre Hoheitsgebiete. Als beispielhaft galt damals die Herrschaft des Sargon von Akkad.
Über seine Herkunft gibt es nur Legenden, die Parallelen zur Moses-Legende aufweisen. Er war Semit unter Sumerern und konnte somit nicht aus einer führenden Gesellschaftsschicht stammen. Also dienten die Sargon Legenden vor allem der Legitimation seines ungewöhnlichen Herrschaftsanspruchs.
Als hoher Beamter des Königs von Kis (Ur-Zababa) übernahm er dessen Herrschaft (wie ist nicht bekannt).
Schriftlichen Zeugnisse über Herrscher des Altertums sind Glorifizierungen und nur bedingt interpretierbar. Wenn man auch unwahrscheinliche bis unmögliche Aspekte ausscheiden kann, ist damit noch keine objektive Aussage erreicht.
Die Legenden über Akkad, die noch lange Zeit über seinen Machtbereich hinaus existierten, machten ihn zum grossen Vorbild für andere Herrscher (Neuassyrische Herrscher 9. – 7. Jh. v. Chr.).
Der Kampf um Vorherrschaft hat die Menschheit seit dem Neolithikum bis heute begleitet. Die besiegte Bevölkerung wurde meistens wie Sklaven behandelt. Wie sich das bei Sargon verhielt ist nicht zu überprüfen. Als er die Sumer unterwarf durften sie ihre Religion behalten, mussten aber die akkadische Sprache lernen, die zur mesopotamischen Landessprache wurde. Dann liess er alle Verteidigungsmauern niederreissen. Durch die Entfernung physischer und sprachlicher Barrieren konnte sich ein intensiver Handel entwickeln, was wiederum den Integrationsprozess unterstützte.
Dazu kamen funktionierende und vom Volk akzeptierte Strukturen von Recht und Ordnung. Mit einer Art Umsatzsteuer finanzierte er das Heer und Künstler die seine Verherrlichung in Szene zu setzten hatten.
Es ist anzunehmen, dass vor allem die lange Zeit des inneren Friedens zwischen den zahlreichen Ethnien Vorbildcharakter hatte. Denn nach drei Generationen hinterliess Sargons Enkel ein intakt funktionierendes Staatswesen.
Nachdem Zusammenbruch des römischen Reiches war die europäische Expansion die zweite noch umfassendere Eroberungswelle der alten Welt. Sie begann im 15. Jahrhundert mit der europäischen Erschliessung der Seewege.
Viele der weltweit entdeckten Gebiete wurden annektiert und deren Ethnien unterworfen. Der Überlegenheitsdünkel europäischer Staatsmacht, Technologie und Kultur erlaubte es mit den ‚unterentwickelten menschenähnlichen Kreaturen‘ ihrer Kolonien nach Gutdünken zu verfahren. Der Umgang mit den indigenen Völkern lässt sich nicht vereinheitlichen. Doch kam es vermehrt zum Verlust der ethnischen Identität bis zum Ethnozid und Völkermord. Vor allem in Amerika verschwanden ganze Völker. Die überlebenden einheimischen Bevölkerungen wurden zur Sklavenarbeit gezwungen. Den eingeschleppten europäischen Krankheiten fielen aufgrund unterschiedlicher Immunabwehr Hundertausende zum Opfer. Die verlorenen Arbeitskräfte wurden durch Sklaven aus Afrika ersetzt, deren Lebenserwartungen aufgrund extremer Ausbeutung sehr begrenzt waren (von den ca. 40 Millionen afrikanischen Sklaven kamen nur ca. 10 Millionen lebend in Amerika an). Aber neue Sklaven zu kaufen war billiger als den bestehenden bessere Lebensbedingungen zu bieten.
Auf dem afrikanischen Kontinent betrieben die Kolonialherren Sklavenwirtschaft. Kaum an Unmenschlichkeit zu überbieten ist die Ausbeutung der belgischen Kongokolonie, eine Privatkolonie des belgischen Königs Leopold II. Den Repressalien fielen in 20 Jahren 10 – 15 Millionen Afrikaner zum Opfer.
Im Ersten Weltkrieg kämpften viele indigene Menschen meist unter Zwang an der Seite ihrer Kolonialherren und glaubten an das Versprechen „des Selbstbestimmungsrechts der Völker“ (Forderung des US Präsidenten Wilson) die Kolonien nach dem Krieg freizugeben, was nach 1920 nicht der Fall war. Besonders England und Frankreich beuteten ihre Kolonien weiter aus.
Im Zweiten Weltkrieg bezogen die sogenannten ‚Schutzmächte‘ ihre Kolonien in noch stärkerem Mass ins Kriegsgeschehen ein.
US Präsident Roosevelt erwartete von den britischen Verbündeten als Gegenleistung eine ‚demokratische Neuordnung‘. Auch das wurde ignoriert.
Nach der blutigen Niederschlagung, des Kenianischen Aufstandes 1956 (Mau Mau Krieg) gaben die Briten diese Kolonie erst 1963 auf. Hongkong galt als letzte britische Kronkolonie.
Historisch blickt Europa auf drei ungeheuerliche Ego-Kriege zurück.
Im Dreissigjährigen Krieg ging es um die machtpolitische Vorherrschaft auf konfessioneller Ebene und in den zwei Weltkriegen um die machtpolitische Vorherrschaft auf nationalstaatlicher Ebene.
Durch die Art und Weise, wie der erste Weltkrieg den Boden für den zweiten bereitete, gehören diese Ereignisse zusammen.
Der erste Weltkrieg nahm seinen Anfang bei einer Mutter die sich schämte, mit Wilhelm dem Zweiten keinen vollwertigen Thronfolger geboren zu haben. Wegen seines verkürzten Armes ignorierte, verachtete oder verspottete ihn die über Europa verteilte kaiserliche Verwandtschaft und die Mutter machte durch Torturen der Armstreckung die Kindheit Wilhelms zur Hölle.
Eigentlich schien der Frieden durch die familiäre Besetzung grosser europäischer Mächte gut gesichert. Einzig der ungeliebte und verspottete Wilhelm stürzte sich kompensatorisch in eine martialische Traumwelt, die sich plötzlich zur grausamen Wirklichkeit entwickelte. Und dann fehlte ihm im entscheidenden Moment der Mut, den von ihm angestachelten Österreichern den Kriegseintritt der Deutschen zu verweigern.
Dieses historische Geschehen zeigt deutlich die emotionale Eskalation von einer kompensatorischen Aggression bis hin zum unumkehrbaren Kriegsgeschehen. Als Wilhelm realisierte, was er da losgetreten hatte, rief er nach seinem Generalstabschef Moltke, um die Mobilmachung rückgängig zu machen. Aber der musste ihm erklären, dass dieser einmal in Gang gesetzte Prozess leider unumkehrbar sei. Allein die von Wilhelm selbst inszenierte aufgeladene, kriegsbereite Stimmung im Volke würde gegen den Kaiser umschlagen. Die Akzeptanz seiner Autorität wäre verloren.
So nahm alles seinen Lauf auf Kosten von Millionen Menschenleben. Am Ende standen die Kriegsherren in einem schwer geschädigten Europa mit leeren Händen da.
Das geschah nochmals, in viel extremerem Ausmass mit dem zweiten Weltkrieg. Das Hitlerregime konnte durch Polarisierung und dem Volksdünkel des Herrenmenschen seine Mehrheiten sogar bis zum bitteren Ende sicherstellen.
Josef Wissarionowitsch Stalin (Herkunftsname: Iossep Bessarionowitsch Dschugaschwili) wurde am 18. Dezember 1878 in Gori im heutigen Georgien geboren.
In der Kindheit erlebte Stalin häusliche Gewalt, der er als einziges Kind auch selbst ausgesetzt war. 1894 verliess er als bester Schüler die Schule und wurde für das orthodoxe Priesterseminar in Tiflis vorgeschlagen (die damals beste höhere Schulbildung Georgiens und gleichsam das Zentrum der Opposition gegen den Zarismus).
Mit 17 Jahren nahm er Kontakt zu geheimen marxistischen Gruppen auf und trat 1898 in die sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands (SDAPR) ein. Durch sein Engagement in der Arbeiterpartei vernachlässigte er sein Studium, verliess das Seminar und wurde Berufsrevolutionär. In diesem Zusammenhang wurde er mehrmals festgenommen und 1903 erstmals nach Sibirien in die Verbannung geschickt (was insgesamt acht Mal geschah, wobei er jedes Mal fliehen konnte).
1905 begegnete er zum ersten Mal Lenin und zeigte sich als Praktiker, der erfolgreich Streiks und Protestbewegungen organisieren konnte. 1912 wurde er von Lenin ins Zentralkomitee der Bolschewiki geholt und nahm dort den Namen Stalin an.
1917 erhielt Stalin das Volkskommissariat für Nationalitätenfragen, dessen Aufgabe es war die Autonomiebestrebungen einiger Ethnien zu verhindern. Eine Strömung, die durch den schwächelnden Nationalstaat animiert war, was wiederum durch Lenins beabsichtigte Destabilisierung der bestehenden staatlichen Strukturen entstanden war. Tatsächlich gelang Stalin die Wiedereingliederung vieler Gebiete des ehemaligen Kaiserreichs, was ihm grossen Einfluss brachte.
Vor seinem Tod 1923 zweifelte Lenin daran, ob Stalin ein geeigneter Nachfolger sei und denkt über dessen Ablösung nach. (Stalin habe „dadurch, dass er Generalsekretär geworden ist eine unermessliche Macht in seinen Händen konzentriert“ mit der er womöglich nicht immer vorsichtig genug Gebrauch machen wird).
1927 nach dem Ausschluss Trotzkis war Stalin praktisch Alleinherrscher der Sowjetunion. Bis 1931 hatte er seine diktatorische Macht installiert und gefestigt.
Stalins Motive für die ‚Grosse Säuberung‘ 1936 – 1938 stellt die Historiker vor ungeklärte Fragen. Vor allem die tödliche Verfolgung enger loyaler Mitstreiter oder deren Angehörige deuten auf ein krankhaftes Handeln hin.
Es geht um Dominanz und Ausbeutung. Wenn wir an der Basis anfangen, dann stehen da die Sklaven – der Mensch als Ware. Die Anfänge der Sklaverei liegen im Dunkeln. Zeugnisse gibt es erst in frühen Schriften des Altertums (Mesopotamien, Codex Hammurapi, 1750 v. Chr.). Diese unfreien und teilweise entrechteten Menschen, die als Kriegsgefangene oder Verurteilte wie Ware gehandelt wurden unterlagen meistens speziellen Rechten ( körperliche Unversehrtheit der Sklaven), die aber vor allem den Besitzern Genugtuung sicherten.
Kinder waren Eigentum ihrer Väter und wurden je nach Sozialstatus für Arbeiten eingesetzt. Sie konnten verkauft oder verliehen werden, was bis in die Gegenwart reicht (Verdingkinder).
Frauen gehörten den Männern, zuerst den Vätern dann den Ehemännern. Im Altertum konnten sie auch Kriegsbeute sein (Die Frau von Sargon von Akkard hiess Taslutum, was ‚Ich nahm dich als Beute‘ heisst). Frauen waren in Ansehen und persönlichen Freiheiten von ihren Männern abhängig. In den unteren Sozialschichten waren sie für (vor allem männliche) Nachkommen zuständig und hatten der familiären Ökonomie zu dienen.
Die Art und Weise wie die Geschlechter dieser Gesellschaftsschichten miteinander umgingen hing davon ab, wie die Männer von der übergeordneten Hierarchie behandelt wurden (Rollenvorbilder).
Alle Leistungs- und Durchsetzungs-Hierarchien sind klassische Spielfelder männlicher Machtambitionen. Es sind Systeme gegenseitiger Vorteilnahme und Ausbeutung.
Das dürften die wesentlichen Gründe des entfeminisierens der Machtspiele sein. Als kindergebärende Hausfrau war sie über Jahrhunderte die dominierte Untergebene des Mannes, der seine Unterlegenheit und Frustration im System mit häuslichem Machtgehabe kompensieren konnte.
Die Abspaltung eines ‚friedlichen‘ Familienlebens mit einer komfortablen Alltagsversorgung von dieser grösstenteils inhumanen und bedrohlichen Realität wollte/will die Männergesellschaft nicht aufgeben.
Die Minderwertigkeit von Frauen in der männlichen Wahrnehmung ist über Jahrhunderte so verinnerlicht, dass eine gleichberechtigte Teilhabe auch einer enormen Entwertung männlicher Domänen gleichgekommen wäre.
Solche Stereotypen dürften heute noch in vielen männlichen Köpfen existieren.
Um das Konstrukt Kirche und ihre Auswirkungen zu verstehen, müssen wir uns die drei wesentlichen monotheistischen Mythen vor Augen halten.
Es beginnt mit dem Mythos von Abraham und seinem Bündnis mit dem einzigen allmächtigen Gott. Das bildete die Grundlage für die Verdrängung anderer Gottheiten und damit auch der damals so mächtigen Göttinnen. Soweit trifft die Geschichte auch auf den Islam zu.
Dann folgt der Mythos vom gottgewollten Volk Israel, deren zentrale Figur als Mose bezeichnet wird und eine fortlaufende Demonstration der Allmacht Gottes beinhaltet.
Der dritte, für die Kirche wesentliche Mythos ist die Auferstehung des Jesus von Nazareth aus dem Hause David, als Sohn des allmächtigen Gottes. Dieser Mythos ist die Machtbasis der Kirche bis zum heutigen Tag.
Problematischer Weise gibt es im integrativen Wirken des Jesus etliche Brüche mit den jüdischen Traditionen, was ihm schliesslich auch das Leben kostete. Einer dieser Brüche war seine liberale und respektvolle Haltung gegenüber Frauen. Die Kirche tat alles um diesen Aspekt verblassen zu lassen, indem sie das alttestamentarische Frauenbild in den Vordergrund stellte. Dies obwohl sie sonst viel daran setzte sich vom Judentum abzugrenzen.
Es ist nicht anzunehmen, dass die Frauen im alltäglichen Leben des anfänglichen Christentums (frühe Kirche) eine betont untergeordnete Rolle spielten, eher wird das Gegenteil der Fall gewesen sein. Es gab sogar Diakonos, Frauen die verkündigend tätig waren. Dort aber, wo es um hierarchische Macht ging, wurden sie von den Männern in den Hintergrund gedrängt.
Nach verschiedenen Phasen der Christenverfolgungen im römischen Reich wird über die Liberalisierung durch Kaiser Konstantin (Legende von der Schlacht an der Milvischen Brücke 313) und dem späteren Dreikaiseredikt (380, 390/91) der Christliche Glaube zur Staatsreligion. Bestanden die Christen vorher aus unabhängigen Gemeinden, so begann sich nun eine hierarchische Struktur zu bilden, die ein Abbild der damaligen imperialen römischen Verwaltungsstruktur war und sich bis heute nicht wesentlich geändert hat. Die Kirche war nicht nur organisiert wie ein Staatswesen, sie handelte in den folgenden Jahrhunderten auch so.
Wir sehen eine reine Männergesellschaft mit extrem ausgrenzender Haltung gegenüber Frauen. Es scheint, dass es in unserer sogenannten christlichen Gesellschaft eine tief verankerte Missachtung der weiblichen Würde gibt die sich über Jahrhunderte entwickelte, und oft nur von äusserem Anstand überdeckt, immer noch unterschwellig wirkt.
Göttinnen bevölkerten im altorientalischen Götterpantheon der Grossreiche des Altertums als Alleinherrscherinnen oder als gleichberechtigte Partnerinnen den religiösen Kosmos. Vom Persischen Golf bis zum Nil, vom Euphrat bis zum Ionischen Meer existierten im Altertum und in der Antike weibliche Gottheiten.
In Babylonien die Planetengöttin Ishtar. Zudem Persephone, Demeter und Hekate als ursprüngliche weibliche Dreifaltigkeit. In Ägypten Isis, Maat, Bastet und Mut. Hera als Götterkönigin im griechischen Olymp oder Astarte die Himmelskönigin.
Forschungen verdeutlichen, dass es eine lange Übergangsphase vom Polytheismus zum Monotheismus gab. Die verschiedenen Gottheiten koexistierten in der Region des Nahen und Mittleren Ostens für lange Zeit.
Mithu M. Sanyal schreibt in ihrem Buch (Vulva – Die Enthüllung des weiblichen Geschlechts) „Nur unter grossen Schwierigkeiten wurde Astarte/Hewwa/Eva durch Jehova abgelöst. Sobald ein König Astartes Altäre auf Befehl der Propheten zerstört hatte wurden sie von seinem Nachfolger wieder ersetzt. Ihr Name fand sogar neunmal Eingang in die Bibel“.
Auch wenn die polytheistische Vorstellungen später vielerorts heftiger bekämpft und abgewehrt wurden, die Bewohner Judäas nahmen erst nach und nach den Glauben an den einen Gott an.
Diesem Anspruch standen die anderen Stammesgottheiten der Region im Wege. Ihre Existenz wurde infolgedessen auch in den Auseinandersetzungen zwischen Völkern bekämpft und negiert.
Dieser Kampf – die Durchsetzung des Monotheismus – lässt sich historisch gut belegen und ist ein weiterer entscheidender Schritt patriarchalischer Dominanz.
Neben der Forderung nach alleiniger Verehrung erhebt der Gott der hebräischen Bibel während und nach der Exilzeit auch einen Universalitätsanspruch, der sich nicht nur auf sein Volk beschränkt, sondern die ganze Welt vereinnahmt.
Alle drei monotheistischen Religionen tragen den Anspruch einer Weltbeherrschung in sich.
Von einigen frühen Päpsten über Ajatollahs bis zu Diktatoren sind sie somit ideale Macht-Verbündete für die Weltbeherrschungsfantasien egomaner Potentaten.
Aus dem alten mittleren und neuen Reich Ägyptens sind Frauen als Herrscherinnen beurkundet. Aber auch im Volk waren Frauen trotz patriarchalischer Rangordnung in vielen Aspekten den Männern gleichgestellt.
Sie konnten ihre Ehepartner selbst wählen, eigenen Besitz haben, Eheverträge schliessen, sich scheiden lassen, (ihren Besitz mitnehmend) und vor Gericht aussagen. In einigen Epochen war es ihnen auch möglich in der Verwaltung höhere Ämter einzunehmen.
Heute gilt Kairo für Frauen als die gefährlichste Stadt der Welt (Ranking der Thomson Reuters Foundation). Die Gesellschaft ist geprägt durch fehlende Gesetze und traditionelle Rollen die Übergriffe, Ausbeutung, Gewalt und Diskriminierung von Frauen legitimieren oder ungestraft lassen.
Vorläufer der griechischen Antike war die mykenische Kultur in der Frauen eine hohe Achtung genossen und offenbar frei lebten. Auch bei den spirituellen Elementen dominierte das Weibliche.
Später im antiken Athen verstand man unter Demokratie eine politische ‚Gleichberechtigung‘ der Vollbürger (freie Bürger) was nur Männer betraf.
Verheiratete Frauen lebten in häuslicher Abgeschlossenheit und nahmen wenig am öffentlichen Leben teil. Zudem waren sie von der Bildung ausgeschlossen, hatten keine Rechtsmündigkeit und konnten bei Gericht nicht als Zeugen auftreten. Die Scheidung war ihnen möglich, sie blieben aber bis dahin Besitz des Mannes und nachher wieder des Vaters oder Bruders. Frauen galten als wertlosere Menschen – Aristoteles schrieb: „Desgleichen ist das Verhältnis des Männlichen zum Weiblichen von Natur so, dass das eine besser und das andere geringer ist“.
So wechselte bis in die späten Monarchien Europas je nach Kultur und Gesetz die Form patriarchalischer Bevormundung. Das übernommene kirchlich geprägte Frauenbild, dass Frauen im Vergleich zu Männern minderwertig seien wirkt bis in unsere Gegenwart. Das 19. Jahrhundert (mancherorts bis Mitte 20. Jahrhundert) ist eine Zeit der kontinuierlichen Negierung von Frauenrechten.
Erst zur Wende zum 20. Jahrhundert treten Veränderungen im Sinne wirklicher Gleichberechtigung in Kraft.
Als die Bürgerin Marie Gouze Ende des 18. Jahrhunderts die Frauenrechte in Paris einklagte (Déclaration des droits de la Femme et de la Citoyenne 1791), war die bürgerliche Verfassung bereits angenommen.
Sie verlangte mit Nachdruck die Anerkennung privater und politischer Bürgerinnenrechte, schnellstens zu verabschieden. (Der Historiker Karl Heinz Burmeister schrieb: …sie büßte aber auch für ihren Einsatz für die Rechte der Frau. Man empfand darin eine unerwünschte Einmischung in die den Männern vorbehaltene Politik.“). Marie Gouze starb am 03. 11. 1793 durch die Guillotine.
Alle Menschen werden mit ihrer eigenständigen Persönlichkeit in eine bestehende Kultur hineingeboren. Diese Kultur und die darin lebenden Bezugspersonen unserer Kindheit geben uns bewusst oder unbewusst die Werte ihrer Kulturinterpretation weiter – in diesem Fall was ein richtiger Junge ist.
Ist es eine Kultur die historisch kriegerisch geprägt ist, teilt sich auch in einer pazifistischen Umgebung eine sich aggressiv opfernde Heldenhaftigkeit mit. In den Kulturen Europas, dessen Boden mit ‚Heldenblut‘ getränkt ist wird eine unterschwellige Weitergabe (transgenerationale Weitergabe) kaum zu verhindern sein. Wie stark das Bedürfnis zur Heldenhaftigkeit im männlichen Ego zum Ausdruck kommt wird auch von der uns mitgegebenen Persönlichkeit beeinflusst. So bildet sich bei jedem Jungen ein individuelles Leitbild heraus, wie ein richtiger Mann zu sein hat, was in Spiel und Erziehung (Sozialisation) Anpassung und Uniformierung erfährt.
Das Gefühl kein richtiger Mann zu sein misst sich auch an dieser verinnerlichten Vorstellung.
Im Kriegsvokabular ist ‚Freiheit‘ der wichtigste von Kriegsherren missbrauchte Begriff. Menschen müssen sich opfern und schweres Leid ertragen um der ‚Freiheit‘ willen. Dabei ist Freiheit ein nicht fassbarer ideeller Begriff, der nur durch seinen Gegenpool den Zwang‘ erfahrbar wird. Wenn wir Freiheit spüren, ist es die Befreiung von Druck und Zwang. Für Kriegsherren geht es um die Erweiterung oder den Erhalt ihrer Privilegien. Die Freiheit für die in Mitleidenschaft gezogene Bevölkerung wird mit meist undifferenzierten Bedrohungen (Unterdrückung, Demütigung) argumentiert.
Dadurch entstand bei Männern eine Idealisierung von männlicher Wehrhaftigkeit und ‚männlicher Freiheit‘ die nie existieren wird. Einer frei ausgelebten ‚Männlichkeit‘ steht unter anderem der reale Einkommensdruck durch dienendes Unter- und Einordnen in Leistungsprozessen entgegen. Ist diese Lebensrealität mit weiteren Ego-Kränkungen verbunden, kann aus solcher ‚Unterbewertung‘ ein Aggressionsstau entstehen der nach Kompensationen verlangt.
Um die emotionale Balance wieder herzustellen können aufgesetzte Männlichkeitsallüren (Macho), prestigeträchtige Autos oder der Besuch eines Fussballspiels dienen. Unsere Zivilisation ist inzwischen angefüllt mit Angeboten von Ventilfunktionen.
Jahrhunderte unter dominierender Männerherrschaft wurden zur weiblichen Realität, sodass sich trotz sozialer Entwertung bei ihnen ein emotionales Gleichgewicht entwickelt hat. Ein kompensatorisches Verhalten entstand und entsteht vor allem bei emotionalen Verlusten oder Defiziten. Erst mit zunehmender Bewusstmachung ihrer sozialen Ungleichheit entstand ein kämpferischer Widerstand gegen diese Dominanz.
Das von Männern ausgelöste Kriegsgeschehen war eine wesentliche Ursache weiblicher Emanzipation. Die Abwesenheit und der Verlust von Mann und Vater war gleichzeitig der Verlust der versprochenen Existenzsicherheit, ein Eckpfeiler männlicher Daseinsberechtigung. Notgedrungen entstand bei vielen Frauen ein realitätsbezogenes existenzsicherndes Verhalten.
An solcher Realitätsbezogenheit mussten/müssen sich die Männer vermehrt messen lassen.
Deshalb sind stark kompensatorische Männer nicht mehr gefragt.
Andererseits wirken immer noch traditionelle Erfüllungsbilder wie ‚eine glückliche Familie‘ oder ‚eine lebenslang erfüllende Liebesbeziehung‘. Auch gilt ‚einen Mann an der Seite‘ zu haben als eine Vorstellung weiblicher Vollständigkeit. So werden rationale Einsichten noch einige Zeit mit emotionalen Impulsen kollidieren.
Dazu kommt, dass ein umgekehrtes Rollenverhalten dem männlichen Ego zuwider läuft.
Frauen die sich nach Belieben unverbindlich einen Mann greifen, negieren ihre auf Bindung beruhende emotionale Entfaltung indem sie ein männliches Verhalten kopieren.
Einige weibliche Lebenskonzepte gehen in Richtung Partnerschaft auf Zeit. Man bleibt solange zusammen bis die grossen Gefühle durch die Wirklichkeit soweit relativiert wurden, dass Erfüllung und Frustration in ein entsprechendes Ungleichgewicht gekommen sind.
Kinderwünsche erfüllen sich Frauen zunehmend auch ohne Mann. Oft leben sie mit anderen alleinerziehenden Müttern in Wohngemeinschaften. Sie organisieren durch Teilzeitarbeit die Kinderbetreuung.
Dieser beginnende Prozess von neuen Partnerschafts- und Lebensformen ist eine komplexe und emotional tiefgreifende gesellschaftliche Veränderung, die auch neue ‚Erfüllungsideale‘ hervorbringen muss. Da sich die mutigen Pionierinnen gleichzeitig eine enorme Mehrbelastung mit geringerer Sicherheit zumuten, entsteht eine latente Mehrbelastung der Sozialeinrichtungen.
Die gestaltenden Kräfte der Gesellschaften sind aufgerufen durch neue Vorbilder in die Emanzipation der Männer zu investieren.
Es ist das ungeheuerlichste Phänomen der Spezies Mensch, dass wir uns, sogar unter dem Verlust unserer Existenz (Zurücklassen von Haus und Familie), in grosser Zahl zum gegenseitigen Töten zusammenfinden, um damit dem Anspruch territorialer Vorherrschaft einer Person oder einer politischen Kraft zu dienen. Ungeheuerlich auch deshalb, weil wir damit die für uns alle bisher so essenziell wichtigen sozialen Werte ausser Kraft setzen, um unser Leben einer scheinbar kollektiven Notwendigkeit zu opfern.
Wie kann so etwas geschehen? In früheren Zeiten konnte ein Staatswesen die Bevölkerung so manipulieren, dass sogar eine ‚Kriegslust‘ entstand.
Eins können wir mit Gewissheit sagen: zwischen der kindlichen umwelterschliessenden Aggression und unserer Aggression der weltbeherrschenden Systeme, die viele Kriegs-Eskalationen in sich tragen, liegt ein weiter Weg kultureller Beeinflussung. Eine Kultur, die offensichtlich mehr Aggressionen herausbildet als sie durch die Sozialisation der Individuen abzuschwächen in der Lage ist.
Es sind zwei Kategorien von Kriegen zu unterscheiden: Der Plünderungskrieg und der Ego-Krieg. Letzterer ist ein Krieg zum Zweck egomaner Selbsterhöhung. Dazu gehören Rechthaberei, Kraftprotzerei, Lust an der Aggression und führt zu Eroberung um Vorherrschaft. Natürlich spielen auch immer wirtschaftliche Erwägungen eine Rolle, genauso wie in den Plünderungskriegen das Ego.
Historisch blickt Europa auf drei ungeheuerliche Ego-Kriege zurück. Im Dreissigjährigen Krieg ging es um die machtpolitische Vorherrschaft auf konfessioneller Ebene und in den zwei Weltkriegen um die machtpolitische Vorherrschaft auf nationalstaatlicher Ebene.
Auch der vom russischen Präsidenten inszenierte Ukraine-Krieg gehört zu den Ego-Kriegen.
Das Argument früherer Zugehörigkeit ist eine historische Rechtfertigung. Wenn alle Machthaber um frühere Grenzen kämpfen würden, ginge die Menschheit in einem gewaltigen Blutbad unter. Auch Bodenschätze wären kein Argument, denn Russland führt mit grossem Abstand die Weltrangliste von Rohstoffvorkommen an. Obwohl die demokratischen Kräfte der Welt versuchen Russlands Machthaber zum Einlenken zu bewegen sind bis jetzt (Mitte 2025) alle Massnahmen gescheitert. Macht, Image und Ego bilden offensichtlich eine unüberwindbare Barriere.
Unsere Zivilisation blickt auf eine Reihe grosser europäisch-kontinentale Kriege zurück mit gesamthaft über 100 Millionen Todesopfern.
Der Hundertjähriger Krieg (1337 – 1453, 116 Jahre) war hauptsächlich ein Vorherrschaftskonflikt zwischen England und Frankreich und bestand aus verschiedenen unterschiedlich motivierten kriegerischen Auseinandersetzungen. Die historische Aufarbeitung zeigt sehr deutlich alle aggressionsauslösenden Spielarten monarchistischer Systeme. Über die Opfer gibt es keine Quellen. Schätzungen gehen von 180.000 bis 3 Millionen Toten aus.
Der Dreissigjähriger Krieg (1618-1648) auch dieser Krieg besteht aus mehreren Kriegen mit Vorherrschaftsansprüchen. Er begann als Religionskrieg und endete als Territorialkrieg mit einem Fächer von Motiven.
Zu den eng verbundenen Konflikten zählen:
- Der Achtzigjährige Krieg (1568 – 1648) zwischen den Niederlanden und Spanien.
- Die Bündner Wirren (1620 – 1631) zwischen den Koalitionen Frankreich-Venedig und Spanien-Österreich um den heutigen Schweizer Kanton Graubünden.
- Der Oberösterreichischer Bauernkrieg (1626).
- Mantuanischer Erbfolgekrieg (1628 – 1631) zwischen Frankreich und Habsburg.
- Französisch-Spanischer Krieg (1635 – 1659).
- Torstenssonkrieg (1643 – 1645) um die Vorherrschaft im Ostseeraum zwischen Schweden und Dänemark.
Auch hier gibt es keine zuverlässigen Quellen über Opfer. Schätzungen gehen von ca.10 Millionen Toten aus dazu zählen Opfer von Hunger und Seuchen.
Der Siebenjährige Krieg (1756 –1763) war ein territorialer Machtkampf europäischer Grossmächte, der auch ausserhalb Europas stattfand (Nordamerika, Indien, Karibik). Es werden zwischen 850.000 und 1,2 Millionen Opfer geschätzt.
Die Napoleonischen Kriege (1792 -1815) waren Koalitionen gegen Frankreichs Expansionsbestrebungen. Es werden ca. 4,5 Millionen Kriegstote geschätzt.
Der Erster Weltkrieg (1914 -1918) mit ca. 20 Millionen Toten.
Der Zweite Weltkrieg (1939 -1945) mit ca. 70 Millionen Toten.
Seit Jahrhunderten stehen die militärischen Aktivitäten des Krieges so im Vordergrund, dass über ziviles Leid kaum historische Dokumentationen bestehen. Grund dafür dürfte auch die individuelle Ausprägung der Einzelschicksale sein. In Erinnerung bleiben ethnische Massenmorde, Flächenbombardements über grosse Städte und historische Flüchtlingsströme. Die Verelendung und das grausame Sterben von Millionen Einzelschicksalen ist zu gewaltig um emotional nachvollziehbar zu sein.
Literarische und bildliche Propaganda (Historienmalerei) heroisieren die militärischen Aspekte des Kriegsgeschehens. Bei Schlachten ist die Rede vom Feld der Ehre, wo der Mann noch als Mann gilt. So wird der Kampf als genetisch vorgegebene höchste Erfüllung der Männlichkeit propagiert. Das Sterben scheint dann als persönliches Pech zu gelten. Während sich der Tod schmerzvoll vollzieht tröstet die ‚Gewissheit‘ sich fürs ‚Vaterland‘ geopfert zu haben.
Die Entwurzelung von Familien die tägliche existenzielle Bedrohung bis zum Hunger-, Kälte- oder Seuchentod, Morde, Vergewaltigungen und Kindersoldaten sind eine noch grössere von Kriegen ausgelöste Katastrophe. Ein gestorbener Mensch hat sein Drama hinter sich gelassen. Die Überlebenden müssen irgendwie mit ihren Erfahrungen weiterexistieren.
Ein Problem besteht darin, dass es meistens eine ‚verschonte‘ Mehrheit gibt, die so schnell wie möglich wieder ‚Normalität‘ herstellen will.
Dazu gehört die Ignoranz gegenüber den in Mitleidenschaft gezogenen, die dadurch mental ausgegrenzt werden – eine soziale Brutalität, die beispielsweise die Kriegsveteranen in den USA noch heutzutage zu spüren bekommen.
Psychologische Studien haben ergeben, dass Kriegstraumata bis in die dritte Generation zu emotionalen Störungen führen und somit etliche Millionen Menschen immer noch vom letzten Weltkrieg betroffen sind.
Auch die Forschungen auf dem Gebiet der Epigenetik lassen erkennen, dass bei uns weitaus mehr erlebte Substanz einen Niederschlag findet, der an Folgegenerationen weitergegeben wird als bisher vermutet.
Für manche Menschen wird der Krieg in ihrer inneren Welt erst mit dem Tod beendet sein.
Für Kriegsherren sind Soldaten manipulierbares Material, mit dem man nach Kriegsende nichts mehr zu tun haben will (nur ein toter Soldat ist ein guter Soldat). Deshalb wurden notgedrungen die körperlich Versehrten zur Kenntnis genommen und alle psychischen Störungen ignoriert.
Dabei ist es doch unvermeidlich und nachvollziehbar, dass die Beteiligung an einem gewalttätigen Massensterben in der Psyche Spuren hinterlässt.
1874 schreibt der Kriegsberichterstatter William Howard Russell in sein Kriegstagebuch: „Es hat etwas Gefühlskaltes, wenn man an einem Fernglas stehend sieht, wie Männer in Stücke zerfetzt werden oder wie sie ihre zerschmetterten Körper an sichere Orte schleppen, sich weit von jeder Hilfe auf dem Boden winden. Es ist nicht angenehm, nur Zuschauer solchen Geschehens zu sein.“
Einige Symptome psychischer Störungen waren bereits im Ersten Weltkrieg (1914 – 1918) auch in der deutschen Reichswehr aufgefallen.
Als Kriegszitterer wurden Soldaten bezeichnet, welche an „Kriegsneurosen“ insbesondere „psychogenen Bewegungsstörungen“ litten.
Betroffene wurden aber meistens als hysterisch oder Simulanten bezeichnet und wie dienstverweigernde Feiglinge behandelt.
In der NS-Zeit wurden per Gesetz seelische Erkrankungen grundsätzlich nicht mehr als Folge erlittener Kriegstraumata anerkannt. Auf dieser Grundlage wurden im Rahmen der NS-Krankenmorde zwischen 4000 und 5000 psychisch kranke Veteranen des Ersten Weltkriegs umgebracht.
Neben Soldaten im Fronteinsatz werden und wurden insbesondere Kinder aufgrund ihres noch nicht voll ausgereiften Nervensystems traumatisiert.
Die Langzeitfolgen von Kriegstraumatisierungen in der Kindheit können sich auch erst ab dem 60. Lebensjahr als Spätmanifestation einer posttraumatische Belastungsstörung zeigen, wenn im Alter zusätzliche Belastungen (Tod des Lebenspartners, etc.) entstehen.
Noch im 21. Jahrhundert werden Psychotherapien für Kriegstrauma-Kinder des Zweiten Weltkriegs gesucht und angeboten. Selbst auf die Nachfolgegeneration (unbewusst) weitergegebene Kriegstraumata wurden festgestellt.
Flucht vor Bedrohung begleitet die Menschheit seit Urzeiten. Am Anfang stand die Suche nach neuen Lebensräumen. Damit auch die Vertreibung anderer Menschen aus fruchtbaren Gebieten (Landnahme). Die ersten grössten europäischen Migrations- und Fluchtbewegung, die sogenannte ‚Völkerwanderung‘ (375-700), war in den Motiven sehr vielschichtig. Die meisten Flucht und Migrationsbewegungen sind in der neueren Geschichte auf Kriege und ethnische ‚Säuberungen‘ zurückzuführen. Menschen müssen oftmals ihr Zuhause unter lebensbedrohenden Druck verlassen (wilde Vertreibung).
Hunderttausende (ca. 500‘000) flüchteten vor dem Hitlerregime und nach dem Krieg über 10 Millionen Deutschstämmige aus den Ostgebieten.
Aktuell waren Ende 2021 weltweit fast 90 Millionen Menschen vor Kriegen, Konflikten, Verfolgung und Menschenrechtsverletzungen auf der Flucht (Flüchtlingshilfswerk UNHCR). 2024 waren es bereits über 122 Millionen.
Nach der Immigration folgt die Integration in eine neue unbekannte Gesellschaftskultur. Dabei ist die Sprachbarriere ein grosses Hindernis. Jüngere Menschen, die einen Weg für ihre Zukunft suchen investieren gezielter in ihre Integration. Sie versuchen sprachliche und bürokratische Hürden zu überwinden und diskriminierende Vorurteile zu überspielen.
Ältere alleinstehende Menschen leiden sehr unter ihrer ‚Entwurzelung‘. Viele ältere Verfolgte bleiben in ihrer Heimat und ziehen einen Suizid der Emigration vor. In der Fremde bleiben sie vor allem nach traumatischen Ereignissen (oft Verlust der gesamten Familie) in depressiver Einsamkeit. Fortgesetztes Erleben von brutalster Menschenverachtung zerstört das soziale Vertrauen und führt zum gesellschaftlichen Rückzug.
Menschen begleitet seit jeher die unbeantwortbare Frage nach dem Sinn des Lebens. Trotzdem versuchen wir unserem Leben einen motivierenden Sinn zu geben.
Wenn mutwillige und brutalste physische, psychische und materielle Zerstörung unserem Leben jeden Sinn raubt, an welche Zukunft können wir dann noch glauben?
Unsere ‚christliche‘ Gesellschaft mag von aussen friedlich wirken, aber schauen wir genau hin, dann herrscht ein zum Teil brutaler Wettbewerb. Als Rechtfertigung reden wir uns ein, dass diese Form von rivalisierender Konkurrenz bis zur extremen Ausbeutung naturgesetzlich verankert sei.
„Der Fisch sieht alles, nur nicht das Wasser in dem er schwimmt“, so sehen wir alle Stärken und Schwächen anderer Kulturen, aber nicht die der eigenen. Das Hauptproblem liegt im Spannungsfeld der auferlegten ‚Nächstenliebe‘ und deren Umgehung.
Aber Kulturen lassen sich verändern. Wir können entscheiden, ob wir in eine Veränderung investieren wollen, oder eine transgenerationale Weitergabe gesellschaftlicher Aggressivität zulassen.
Diese gesellschaftliche Aggressivität wird oft unbewusst und unbeabsichtigt durch Traumata, Erziehungsstile, Verhaltensmuster und abgewehrte Schuld- und Schamgefühle von einer Generation auf die nächste weitergegeben.
Diese Weitergabe kann zu psychischen Belastungen, wiederkehrenden Problemen und sogar körperlichen Erkrankungen in den nachfolgenden Generationen führen.
Aufgegliedert ergibt sich für die Weitergabe folgendes Bild:
- Unverarbeitete traumatische Erfahrungen, wie Krieg oder Gewalt, können von Eltern oder Großeltern auf ihre Kinder übertragen werden.
- Bestimmte Erziehungsstile, die auf Gewalt oder Angst basieren, können von den Eltern auf ihre Kinder übertragen werden, was zur Aggressivität in den Kindern führen kann.
- Abgewehrte Schuld- und Schamgefühle oder negative Verhaltensmuster können von den Eltern auf die Kinder übertragen werden, ohne dass die Kinder bewusst über die Ursachen nachdenken.
- Die nachfolgenden Generationen können an psychischen Problemen wie Angst, Depression oder auch an Suchtverhalten leiden.
Nachfolgende Generationen können das Gefühl haben, für das Verhalten ihrer Eltern oder Großeltern verantwortlich zu sein.
Um einen kulturellen Bruch mit der verinnerlichten gesellschaftlichen Aggressivität zu vollziehen wäre es angesichts dieser Zusammenhänge grob fahrlässig den Kindern Kriegsspielzeug zu schenken, dass sie sich wie Soldaten anziehen können, Plastikstahlhelme und Nachbildungen von Schnellfeuergewehren erhalten.
Die emotionale Entwicklung des Menschen ist ein Dressurakt zwischen genetisch angelegter Persönlichkeit und gesellschaftlicher Realität (Sozialisation). Je weiter diese Aspekte auseinanderklaffen, desto stärker können die ausgelösten inneren Spannungen sein.
Die kindliche Fantasie schafft Vorstellungswelten mit denen solche Spannungen abgebaut werden (beispielsweise durch Gerechtigkeit und Genugtuung). Wenn der äussere Druck zu gross wird können Menschen völlig in diese Kompensationswelten abtauchen, was längerfristig eine Persönlichkeitsveränderung begünstigen kann.
Der nächste, oftmals sehr stressreiche Entwicklungsschritt ist die Pubertät. In dieser Phase laufen im Gehirn umfangreiche Umstellungen ab. Hormonelle Veränderungen die zu Befindens- und Verhaltensänderungen führen, (Hypophyse/ Keimdrüsen) bewirken Sexualhormone (vor allem im limbischen System) verstärkte Emotionen und Belohnungsimpulse (Drama und Sucht-Risiko). Während sich die Kontrollfähigkeiten (Frontaler Kortex) oftmals zeitverzögert entwickeln.
Gerade diese Kontrolle über die eigenen Emotionen macht aus den Jugendlichen Erwachsene. Diese Phase (Adoleszenz) kann bis in die frühen Zwanzigerjahre dauern (Pubertät und Adoleszenz sind überlappende Begriffe).
Auch wenn diese Prozesse symptomatisch abgeschlossen sind, bleiben sie auf die Persönlichkeitsentwicklung bezogen ein Leben lang erhalten.
Was innerhalb einer Gesellschaftskultur einen Menschen ‚erwachsen‘ erscheinen lässt, ist weder sein genetisches Potenzial, noch seine Intelligenz oder Einfühlsamkeit, sondern in erster Linie sein gesellschaftlich angepasstes Verhalten.
Kulturen geben eine Wertestruktur vor. Als Kinder teilen sich uns die Werte der Bezugspersonen mit. Das geschieht intuitiv oder durch Erziehung. Die Jugend ist geprägt vom Durchsetzungsverhalten in der sozialen Umgebung. Herrscht das Recht des Stärkeren bis zur äussersten Brutalität, sind solche Muster später schwer zu relativieren.
Je mehr wir an der Öffentlichkeit teilhaben, desto mehr orientieren wir uns an den allgemeingültigen Werten. Das geschieht meistens mit dem Blick auf übergeordnete gesellschaftliche Schichten nach dem Schema: Übergeordnetes Verhalten gleich erfolgreich, unterprivilegiertes Verhalten gleich erfolglos.
Beim Versuch höhere Gesellschaftsebenen zu erreichen lernen wir, meistens durch Scheitern, die kulturkonformen Durchsetzungsmethoden. In diesem kollektiven Wettbewerb verlieren wir zunehmend die Fähigkeit diese ‚eroberte‘ Wertewelt zu relativieren.
Einmal in einer Machtposition etabliert, versuchen wir diese Position durch ständige Anwendung unserer Methoden (Erfolgsformeln) zu sichern.
Das behindert, verlangsamt oder verunmöglicht den gesellschaftlichen Wandel. Staut sich ein gesellschaftlicher Veränderungsdruck auf, kommt es zu Protesten und Revolten.
In totalitären Machtstrukturen versucht eine Machtelite und/oder ein einzelner Machthaber das alleingültige Mass vorzugeben – oftmals mit der selbstlegitimierenden Überzeugung durch dieser Dominanz das Beste für die Gesellschaft zu erreichen.
Die vorrangigste Aufgabe der Demokratie besteht darin solche Egomanien zu verhindern.
Viele unserer Träume beginnen bereits in der Jugend.
Das Unheil eines martialischen Selbstbildes bei den Jungen und die Sehnsucht nach dem unbesiegbaren Helden bei den Mädchen wird immer noch durch viele Quellen inspiriert.
Es kann nicht darum gehen, historische Kriege aus der Geschichte zu streichen. Aber was für ein Erfolg, wenn wir allein die Wertigkeit umkehren würden. Stellen wir uns den Lehrstoff des Dreissigjährigen Krieges vor. Die kriegsauslösenden Aspekte, mit allen dazu gehörenden Niedrigkeiten, würden entmystifiziert vermittelt, um dann diese Motive den entsetzlichen Gräueln und den unzähligen Einzelschicksalen gegenüberzustellen. Wenn anschliessend im Geschichtsunterricht als zentrales Gewicht die grossen Leistungen des schwierigen Westfälischen Friedens vertieft behandelt würden, so dass diese Helden der Diplomatie intensiver als alles andere ins Bewusstsein der Kinder käme.
Wenn wir Geschichte so lernen, dass die Hauptprotagonisten der Friedensfindung unsere Helden werden, dann wäre ein entscheidender erster Schritt zu einem neuen Männerselbstbild getan.
Aber auch im Alltag sollten die Jungen ein verstärktes Wertebewusstsein der sozialen Verantwortung bekommen. Die Fähigkeit Streitigkeiten zu schlichten, ist die grosse Leistung und muss als solche auch Anerkennung finden. Das würde Mädchen dazu animieren, für den kompetentesten Friedensstifter zu schwärmen und nicht für «coole Aggression».
Aber der schulische Einfluss allein wird nicht viel nützen, wenn dieser isoliert bleibt. Wenn durchtrainierte Serienhelden mit Muskelkraft und Waffengewalt das Gute erzwingen, rutscht der grosse Friedensstifter in den Herzen der Mädchen ins Hintertreffen. Medien und Gesellschaft müssen die Grenzen ihres Freiheitsbegriffes überdenken und damit auch die Botschaften, die sie ihren jüngsten Konsumenten als Identifikationsangebote ‚verkaufen‘.
Im Mittelpunkt steht also ein neues Männlichkeitsbild. Schon kleine Jungen sollten lernen, sich vor allem als mitempfindende Person und nicht als Allesbezwinger zu definieren, was unweigerlich zur Überforderung führt. Und Überforderung ist die häufigste Ursache für destruktive Aggression.
Nach Jelzins Rücktritt (31.12.1999) begann Putin nach seiner Wahl zum russischen Präsidenten eine gelenkte Demokratie zu installieren, indem er bestehende föderale Strukturen Russlands zentralisierte.
Nach dem Leitsatz ein starkes Russland braucht eine starke Führung forcierte er die typischen Machtkonzentrationen wie Gleichschaltung der Medien, die Kontrolle oligarchischer Macht, Unterdrückung von Opposition, Einfluss auf die Rechtsprechung und eine massiv unaufrichtige und irreführende Propaganda. Damit waren die Voraussetzungen für eine autokratische Führung gegeben.
Putin unterdrückte systematisch Proteste aus der Bevölkerung und verlor damit auch den Dialog mit der Gesellschaft.
Die so geschaffene Isolation reduziert Machthaber oftmals auf ihre ‚heroischen Ziele‘, in diesem Fall auf eine wiedererstarkte Grossmacht Russland.
Mit der bisher missglückten Annexion der Ukraine, den damit einhergehenden Menschenrechtsverletzungen und der verschärften Unterdrückung der Meinungsfreiheit bewegt sich Putin in Richtung totalitärer Diktatur mit faschistischen Aspekten, die keine politische Schwäche zulassen – also in einer typischen Macht-Ego-Spirale.
Wodurch politische Lösungen weitgehend blockiert werden. Lösungen die Putin vielleicht gar nicht anstrebt, weil er sich möglicherweise bereits eine russische Welt vorstellt.
Einiges könnte auf weiterführende Aggressionen hindeuten. Die Anhäufung grosser Goldreserven, die seit 2022 um 72% aufgestockt wurden (aktuell 228,95 Milliarden US-Dollar). Aktuell fliessen 40% der Staatsausgaben ins Militär.
„Russland stellt sich auf eine jahrzehntelange Kriegswirtschaft ein“ (Denis Maturow, Vizeregierungschef 06. 2024)
Die Beweggründe sind nicht zu ermitteln. Von Drohgebärden zur Einschüchterung über Weltbeherrschungsfantasien bis zur Paranoia ist alles möglich.
Etliche Reaktionen Putins zeigten wie empfindlich er auf Imageverletzungen reagiert. Die Gefahr einer Verdammung statt einer Glorie hätte seine Entscheidungen mit Sicherheit beeinflusst.
Mächtige Menschen oder jene die sich dafür halten rechnen damit, dass ihre Verfehlungen mit der Zeit verblassen und hinter einer propagierten Glorie verschwinden, was bisher leider auch viel zu oft passierte.
Ein Beispiel ist Leopold II von Belgien. Die Bewirtschaftung seiner im persönlichen Besitz befindlichen Kongokolonie war eine noch nie dagewesene Schreckensherrschaft. Innerhalb von 20 Jahren wurden über 10 Millionen Kongolesen (die Hälfte der Bevölkerung) buchstäblich zu Tode gequält.
Nach Aufdeckung und Publizierung dieser ‚Kongogräuel‘ entstand eine Welle der Empörung. Es kam zu einer internationalen Ächtung. Medien forderten eine Verurteilung des Monarchen.
Der Erste Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise liessen diese Verbrechen in den Hintergrund treten. Auch gesellschaftliche Kräfte sorgten für ein ‚Vergessen‘ (National-Image). Leopold wurde plötzlich als Modernisierer und Befreier dargestellt. Bis zur heutigen Zeit fehlen in belgischen Schulbüchern Kapitel über diese Verbrechen. Auch das belgische Kolonialmuseum verschwieg diese Realität, was erst 2018 korrigiert wurde. Die Gesellschaft einer Nation ist immer bestrebt ihr Identifikations-Image möglichst respektabel und vorbildhaft zu halten. So gibt es ein kollektives Bedürfnis, dass Schandflecken in Vergessenheit geraten.
Solches ‚Vergessen‘ muss verhindert werden. Mit einem auf ‚Endlosigkeit‘ institutionalisierten Weltgeschichtsbuch bleibt eine Ächtung als Image Hypothek einer Person und/oder einer Gesellschaft bestehen. So müssen sich die Inhaber von Machtpositionen genau überlegen welche Risiken sie eingehen wollen.
Nie zuvor hat es in der Menschheitsgeschichte einen geradezu explosionsartigen Erkenntnisgewinn gegeben.
Nie zuvor wurden diese Erkenntnisse für jeden Menschen so einfach zugänglich gemacht.
Nie zuvor wurden Forschungsresultate derart intensiv in Technologien umgesetzt.
Nie zuvor haben die Menschen durch alle Gesellschaftsschichten so deutlich ihre zukünftigen Risiken erkennen können.
Und trotzdem bleiben wir in unserem Verhalten ignorant.
Es scheint, dass sich die letzten Jahrtausende Unterwerfungsdressur nicht so einfach in Eigenverantwortung transformieren lassen.
Durch so grosse Zeiträume entmündigend wirkende Staatsmächte ergänzt durch machtorientierte spirituelle Manipulation hat sich offensichtlich eine Unterwürfigkeit verinnerlicht, die alle Verantwortung der ‚Obrigkeit‘ delegiert, die damit zunehmend überfordert ist.
Mit dem Ziel gesellschaftlicher Veränderungen entstehen zwar zunehmend Initiativen die sich eine weltweite Wirkung erhoffen. Viele dieser Konzepte verlangen die Abschaffung von Missständen, ohne die auslösenden Dominoeffekte zu würdigen.
Die wirtschaftsdominierenden Gesellschaften sind durch alle sozialen Schichten systemisch kommerzialisiert. Die Absicht ein derart weltweit wirkendes System auf den Kopf zu stellen ist unrealistisch und undurchführbar.
Mit solchen masslosen Zielen verdirbt man die Chance des Möglichen.
Die Veränderung systemischer Strukturen benötigt ein grösseres Transformationsfenster.
Also müsste etwas in Gang gesetzt werden, das ohne radikalen Eingriff einen permanenten Veränderungsdruck ausübt.
Eine international anerkannte Welt-Ethik-Bilanz mit der Wirkung eines Weltgeschichtsbuches, das weltweit alle Ethnien und deren Entwicklung erfasst wäre eine Lösung. Vor allem wenn diese Bilanz auch die positiven wie negativen Wirkungen einzelner Menschen in Machtpositionen analysiert und objektiviert veröffentlicht. So würde für diejenigen die Wirkung ihres Handelns weltweit in allen Sprachen als ewiger Nachruf manifestiert.